Zimt – vom Zauber einer alten Gewürzpflanze

Woran liegt es, dass das Wort „Zimt“ den meisten von uns ein wohliges Gefühl zaubert? Gibt es „Zimt-Momente“? Aus dem kulinarischen Alltag – insbesondere in der Weihnachtszeit – ist das exotische Gewürz nicht mehr wegzudenken. Kindheitserinnerungen an das Ausstechen von Zimtsternen, an die heimelige Weihnachtsbäckerei, werden wach. Lebkuchen würden nicht wie Lebkuchen schmecken, wenn Zimt nicht dem zur Lebkuchen-Herstellung traditionellen „Neunerlei-Gewürz“ seine besondere Note geben würde. Glühwein oder Punsch ohne Zimt? Nur halb so lecker. Zimt macht Weihnachts-Schokolade erst zur Weihnachts-Schokolade. Und für mich persönlich geht nichts über den Duft, den frisch gebackener Apfelkuchen mit Zimtstreuseln in der Wohnung verbreitet.

Anderorts in der Welt verzaubert das „süße Holz“ nicht nur herbst- und winterliche Leckereien, sondern ist das ganze Jahr über fester Bestandteil des kulinarischen Alltags. So verleiht Zimt vielen fernöstlichen, orientalischen und asiatischen Gerichten deren ganz besondere Note: Als Würzmischung „Ras el Hanout“ in Marocco, als ursprünglich aus Indien stammendes Garam Masala, welches im Laufe der Zeit auch seinen Weg in die afrikanische Küche, bis hin nach Südafrika gefunden hat. Ein indisches „Biriyani“ ohne Zimt ist kein echtes Biriyani. Und hebt man in Marokko den tönernen Kegel einer Tajine, so strömt einem unmittelbar der verführerische Duft des exotischen Gewürzes, gepaart mit anderen Köstlichkeiten, entgegen. Der scharf-süße Milchtee aus Persien hat mittlerweile in vielen Cafés hier bei uns in Europa einen festen Platz auf der Getränkekarte bekommen.
Zimt harmoniert gut mit Nelken, Kardamom, Ingwer, Vanille, Kurkuma, Kreuzkümmel, Muskat und Piment. Der Duft von Zimt kann betören, bereits der Gedanke daran löst ein warmes, behagliches Gefühl aus. Dies wusste man offenbar schon im alten China zu schätzen, denn dort wurde das Holz des Zimtbaums zum Hausbau verwendet, um den guten Geruch als Lebenselixier zu nutzen, wie Rita Henss in ihrem Buch über Zimt berichtet. Und als wäre der wohltuende Duft und Geschmack dieses besonderen Gewürzes nicht schon genug – Zimt ist auch noch gesund! Bereits vor langer Zeit setzte man in vielen Kulturen bei körperlichen Schwächen und Krankheiten auf die Wirkung von Zimt. Diese Annahme war es wohl auch, die, laut Rita Henss, die alten Ägypter dazu veranlasste, Zimt als eine der Zutaten für ihr traditionelles Abendräucherwerk Kyphi zu verwenden. Römische Ärzte verschrieben Zimt einst bei Grippe und Bronchitis. Und die Heilkundlerin Hildegard von Bingen empfahl das Trinken von Zimtwein aus den Blättern und dem Holz des Zimtbaumes u.a. zum Heilen von Gicht. Heutzutage sagt die Volksmedizin Zimt eine antiseptische, durchblutungsfördernde und entkrampfende Wirkung nach. Die in Rinde und Blättern des Zimtbaumes enthaltenen Öle sollen bei Entzündungen und bakteriellen Infektionen helfen. Besonders in der ayurvedischen Medizin, welche ihren Ursprung in Sri Lanka (einst Ceylon), der Heimat des echten „Ceylon“-Zimtbaumes, hat, spielt Zimt eine bedeutsame Rolle: Er wärme den Körper, wirke beruhigend, unterstütze den Verdauungsapparat, die Atmungsorgane und  das Herz-Kreislaufsystem. Dies ist der Grund, weshalb ein typischer ayurvedischen Frühstücksbrei neben Kardamom eben auch mit Zimt gewürzt ist.
Fazit: Zimt wirkt positiv auf verschiedene Ebenen unseres Seins: Ob als Pulver oder Stange, kulinarisch oder heilkundlich, ob wohltuend und verführerisch duftend oder visuell oder als warmer Farbton, dem die Farbe von Zimtrinde seinen Namen gegeben hat.
Was kommt Dir bei „Zimt“ als Erstes in den Sinn?

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